Helmke, wie sehen Sie denn aus? Ist Ihnen der Leibhaftige begegnet?
Schlimmer, Kümmerlen, schlimmer. Die IG Metall ist dabei, bei den Anbietern von produktionsnahen Logistikdienstleistungen in der Automobilindustrie Haustarifverträge durchzusetzen, die deutlich über dem Niveau der Logistikwirtschaft liegen. Das ist der Anfang vom Ende des Outsourcing-Geschäftsmodells.
Nur keine Panik, Helmke. Den Dienstleistern wird nicht gleich das ganze Kontraktlogistikgeschäft wegbrechen. Schließlich ist der Lohnkostenunterschied neben Flexibilität und Konzentration auf das Kerngeschäft nur eine von mehreren Triebfedern des Outsourcings.
Sie sollten nicht jede Werbefloskel glauben, Kümmerlen. Natürlich hat Outsourcing mehrere Dimensionen, aber letztlich ist die Senkung der Arbeitskosten am wichtigsten. Wenn die Dienstleister ihren Mitarbeitern gleich viel zahlen müssen, kann es die Industrie auch selbst machen.
Wie kommt es dann, dass in der Chemiebranche ein ähnliches Tarifmodell funktioniert? Dort betreiben Dienstleister, die Industrielöhne zahlen, ganze Chemieparks – und beide Seiten profitieren. Es ist auch gar nicht einzusehen, warum für die gleiche Arbeit bei einem Dienstleister weniger gezahlt wird als in einem Industrieunternehmen.
Daher weht also der Wind, Kümmerlen. Aber mit Sozialromantik kommen wir hier nicht weiter. Die niedrigeren Löhne in produktionsnahen Bereichen sind einer der Gründe, warum wir Automobilproduktion überhaupt in Deutschland halten können. Sie und Ihre Gewerkschaftsfreunde sägen den Ast ab, auf dem wir sitzen.
Die Automobilindustrie hat ihre Produktionsstandorte dort, wo wichtige Absatzmärkte sind. Das trifft nach wie vor auch auf Deutschland und Europa zu. Wer hier qualifzierte Arbeitsplätze braucht, kann auch dafür bezahlen.
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